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Geschichte und Baugeschichte

Caroline Auguste Gayling von Altheim war die Jugendliebe des Prinzen Carl August. Beide kannten sich von Landaufenthalten im elsässischen Bischweiler. Sie verstand es ihn für sich einzunehmen und zwar über die Jugendzeit hinaus. 1766 wurde sie Gemahlin des Freiherren Ludwig von Esebeck. Nach der Inthronisierung Carls II. August zum Herzog von Pfalz-Zweibrücken erlebte sie ihren Aufstieg zur mächtigsten (und reichsten) Frau im Herzogtum. 1778 wurde sie, die offizielle „Grande Maitresse“ zur Oberhofmeisterin der Herzogin ernannt. Die Hofhaltung selbst wurde auf ihr Betreiben ins Neue Schloss Jägersburg verlegt. Von hier aus wurde die Baugeschichte der Umgebung bestimmt. Die zwischen Jägersburg und Homburg gelegene Fasanerie erhielt mit dem Bau des Schlosses Amalienlust ein eigenes Refugium der Herzogin Maria Amalia. In der westlichen Vorstadt entstand der persönliche Aufenthalt der Freifrau von Esebeck. Die Versteigerung der von Esebeck’schen Grundstücke in und um Homburg, zu denen neben dem Stadtpalais auch die Landgüter Augustenberg (bekannt als Lappentascherhof) und Carolinenhof (ehem. Schwarzenweiherhof) gehörten, fand 1798 statt. Aus den Versteigerungsakten lassen nur wenige Anhaltspunkte über die baulichen Anlagen feststellen, doch tauchen mehrere Bezeichnungen auf, wie „Orangerie“, das „an dem Canal befindliche Baadhaus“, „Brunnen an der Menagerie“ und „ruiniertes Landhaus“. Die Homburger Bevölkerung weiß von der sagenumwobenen Freifrau von Esebeck kaum noch etwas zu berichten. Nur wenige geschichtlich Interessierte wissen von der „Grande Maitresse“ des Herzogs Carl II. August, noch weniger Menschen wissen um deren Homburger Palais. Das Palais befand sich recht exakt im mittleren Bereich der Straße „Am Zweibrücker Tor“, dort wo um 1998 ein großer Wohn- und Geschäftskomplex entstand. Inwieweit die Silhouette dieses Neubaus absichtlich diejenige des Palais Esebeck nachahmt oder rein zufällig ist, lässt sich nicht recherchieren. Das Areal des prächtigen Gartens ist weitgehend verbaut und lässt sich strukturell heute kaum mehr nachvollziehen. Es lässt sich in etwa innerhalb der geläufigen Straßennamen Zweibrücker Straße – Gerberstraße – Saarbrücker Straße (in der verlängerten Talstraße) – Entenweiherstraße umschreiben. Das betreffende Gelände gehörte ursprünglich der altkatholischen Kirchengemeinde. Ein vom 19. Juli 1777 datierter Kaufvertrag belegt den Kauf eines ½ Morgen großen Gartens „an Caroline Augusta von Esebeck geb. Geyling von Altheim“ für 344 Gulden. Da bereits am nächsten Tag der Maurermeister Peter Rosche den Auftrag zum Bau einer Gartenmauer erhält, ist davon auszugehen, dass die Planungen zu den Esebeck’schen Anlagen schon vor dem eigentlichen Grunderwerb erfolgten. Die Bauarbeiten zu den Gebäuden gingen offensichtlich rasch von Statten. Bereits zu Beginn der Jahres 1778 ist eine Nachricht überliefert, die sich auf die Dachdeckung des Hauptgebäudes bezieht: „Kammerrath Mannlich berichtet, dass auf Serenisimi hochgnädigsten Befehl die Gebäude auf der Homburger Fasanerie und der Frau Oberhofmeisterin Freifrau von Esebeck Haus zu Homburg mit Leyen (Schiefer) gedeckt werden sollen. Zweibrücken, den 4ten Februar 1778“.Die Vielzahl der Baurechnungen, die letztlich belegen, dass die Kosten der Anlage zu Lasten der Staatskasse gingen, datiert die Entstehung der Anlagen in die Zeit zwischen 1777 und 1785. Die bereits benannte Gartenmauer, die das Grundstück entlang der „Zweibrücker Chaussé“ und gegen die Homburger Altstdt abschloss, wurde von Peter Rosche erst 1783 vollendet. Das Hauptgebäude war um 1782 vollendet. Maurermeister Michel Krumm wird am 29. Juli 1779 in einer Baurechnung erwähnt, Glasermeister Johann Müller am 07. Dezember 1779. Letztgenannter wird bereits am 26. Dezember 1778 auch beim Bau der „Orangerie zu Homburg“ aufgeführt. Brunnenmeister Philipp Beyer wird am 10. Dezember 1780 beim Bau einer Terrasse erwähnt, ebenso am 08. März 1782. Schlossermeister Lorenz lieferte 1782 „ein eisernes Tor mit 2 Flügeln…“, wohl das Haupttor der Anlage. Vergolder Anton Schupp „hat vor Arbeit vor die Frau von Esebeck am Altan und Thoren die Wappen vergult“. Dachdecker Joseph Jahn wird zwischen 1780 und 1781 mehrfach bei der Eindeckung des Daches erwähnt, dessen Dachstuhl Zimmermeister Johann Ludwig zwischen März und Juli 1779 aufgeschlagen hatte. Eine aufwändige Brunnenleitung, die vom Schlossberg hierher geleitet werden musste, erscheint oft in den Rechungen. Als ihr Konstrukteur wird Philipp Beyer genannt. Die Anlage erfolgte zwischen 1780 und 1782. Möglicherweise diente diese Wasserleitung zum Teil zur Bewässerung der Wasserspiele, wie dem 1782 bis 1784 im Bau befindlichen großen Bassin und dem Kanal mit dem Badehauspavillon, der 1782/83 realisiert wurde. An diesem Pavillon wurden noch 1792 Reparaturen auf Kosten der Staatskasse durchgeführt.Seinen Niedergang erlebte die Anlage im Zuge der Französischen Revolution. Nachdem der herzogliche Hof nach Mannheim geflohen ist, war das Palais Esebeck das erste Gebäude in Homburg, das geplündert und abgebrannt wurde. Hierbei waren es wohl weniger die Revolutionstruppen, als vielmehr Teile der Homburger Bevölkerung, die diese Tat durchführten, da die Freifrau von Esebeck verhasst und die Gelegenheit zur „Abrechnung“ günstig war. Caroline Auguste von Esebeck floh allerdings nicht nach Mannheim, sondern nach Karlsruhe, wo sie 1823 starb.

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