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Geschichten und Legenden über den Carlsberg und Herzog Carl II. August.

Frohnarbeit

Die Bauern mußten im Juni jeden Jahres mit Fuhrwerk und Leuten auf den Karlsberg, um Heu zu machen. Sie hatten so lange zu bleiben, bis das ganze Heu eingefahren war. Das Heu wurde "in der Fron" gemacht. Nachts schliefen die Bauern unter ihrem Wagen im Feien. Ein einzelner Wagen durfte nicht in das Schloß einfahren. Die Wagen wurden auf der Wiese geladen und in einer ganz bestimmten Ordnung zum Karlsberg gebracht. Der Herzog schaute beim Einfahren zu. Wehe ein Fuhrmann der sich Extravaganzen leistete.

Quelle: Webseite des Heimat und Verkehrsvereins Reifenberg

 

Frohnarbeit war in der damaligen Zeit eine normale "Steuerform". Inwieweit die Reifenberger Bauern auf dem Carlsberg Frohnarbeit leisten mußten, ist nicht nachvollziehbar, jedoch aufgrund der Entfernung nicht unbedingt anzunehmen. Auch ist die Formulierung etwas zweideutig:

  • Die Leute fuhren auf den Carlsberg um Heu zu machen, also auf dem Schloß.
  • Die Wagen wurden auf der Wiese geladen und in einer ganz bestimmten Ordnung zum Carlsberg gebracht." Demnach wurde das Heu nicht auf dem Schloß gemacht

Daß die Bauern nicht heimfuhren, bevor sie ihre Arbeit erledigt hatten, lag wohl weniger an der Strenge des Herzogs als vielmehr an den geographischen Gegebenheiten. Reifenberg liegt gut 22 km vom Carlsberg entfernt. Die Bauern brauchten somit drei Stunden, um zum Carlsberg zu kommen und das bedeutete 6 Stunden Fahrt täglich. Dies wollte man wohl sich und den Pferden nicht antun. Da sie nicht heimfuhren, übernachteten sie auf dem Feld, um am nächsten Morgen früh mit der Arbeit zu beginnen und die Kosten fürs ein Gasthaus zu sparen.


Begegnung der Reifenberger Bürger mit dem Herzog

Herzog Karl August (Regierungszeit von 1775 bis 1795), der in Zweibrücken und Homburg residierte, war ein Fürst, der seine Untertanen absolutistisch regierte. Die Reifenberger Bauern hatten des öfteren unter seinen Schikanen und unter seiner unberechenbaren Härte zu leiden.
Ende des 18. Jahrhunderts fuhren einige Reifenberger Bauern mit ihrem Fuhrwerk zur Grube, um Kohle zu holen. Ein Vorfahre von Ludwig Lehnart (mütterlicherseits), Heinrich Hüther, fuhr der Kolonne voran. Er hatte die schönsten Pferde im Dorf, ihre Vorzüge waren überall bekannt und wurden zu jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit gezeigt.
Heinrich Hüther führte seine Bauern den Battweiler Weg hinunter, Zweibrücken zu. Unterwegs konnte er es nicht unterlassen, mit seinen stolzen Rappen im Trab zu fahren, um seine nachfolgenden Nachbarn zu ärgern. Sie fuhren schimpfend nach, da sie nicht allein fahren wollten. Bald kamen sie in Zweibrücken an, Heinrich Hüther immer noch an der Spitze. Mancher Zweibrücker schaute wohlgefällig auf das Gespann. Heinrich Hüther wurde deshalb noch unternehmungslustiger, und in gestrecktem Galopp gings durch Ernstweiler, auf Einöd zu. Auf halbem Wege sah er in der Ferne eine Kutsche, die von 4 Pferden gezogen wurde. Bald erkannte er, daß es die Kutsche mit Herzog Karl August war. Da dieser damals das Schloß baute, nannte die Bevölkerung es den "Karlsberg". Heinrich kam blitzschnell der Gedanke: "Dem werde ich's zeigen, was meine Pferde können". Er kümmerte sich nicht mehr um seine Gefährten, sondern hielt sich dicht hinter dem Wagen des Herzogs. Manchmal ging es Heinrich zu langsam; er knallte unternehmungslustig mit der Peitsche, um seine und auch des Herzogs Pferde anzutreiben. Der Insasse des vierspännigen Wagens kümmerte sich scheinbar nicht um ihn. So fuhren sie miteinander Homburg zu. Vor Homburg, an der Abzweigung zum Karlsberg, hielt der Wagen des Herzogs an und ein Diener forderte Heinrich auf, mit zum Schloß zu fahren. Er ahnte Schlimmes, denn er wußte genau, wer zum Schloß befohlen wurde, kam nicht ungeschoren davon. Im Schloßhof winkte ihm der Herzog, er solle kommen. Er fragte ihn, warum er ihm nachgefahren sei. Heinrich antwortete ihm, er habe zwei schöne Rappen, die er dem Herzog vorführen wolle. Er wolle ihm auch zeigen, wie schnell sie laufen können. "Gut", sagte der Herzog und winkte einem Diener zu. Dieser nahm Heinrich mit und verabreichte ihm 25 Hiebe, dann lies er ihm laufen. Heinrich bestieg wieder seinen Wagen und fuhr den Berg hinunter. Seine Gefährten, die zurückgeblieben waren, staunten nicht wenig, als sie Heinrich vom Karlsberg kommen sahen. Er gab ihnen auf die Frage, was er droben zu tun gehabt habe, keine Antwort. Ab und zu rutschte er auf seinem "Sitzbrett" hin und her, stellte sich oder ging neben dem Wagen her. Er hatte keine Ruhe oder kein "Sitzleder". Seine Kameraden bemerkten dies und lächelten einander verständnisvoll zu. Heinrich machte ein grimmiges Gesicht und murmelte unverständliche Worte in seinen Bart. Er mied in der folgenden Zeit jede Gesellschaft, bis die "Hiebe" vergessen waren und ein anderer Vorfall die Aufmerksamkeit des Dorfes erregte.

Quelle: Webseite des Heimat und Verkehrsvereins Reifenberg

 

Diese Geschichte soll zeigen: "Die Reifenberger Bauern hatten des öfteren unter seinen Schikanen und unter seiner unberechenbaren Härte zu leiden." Hüthers Handlung" er knallte unternehmungslustig mit der Peitsche, um seine und auch des Herzogs Pferde anzutreiben" würde heute als Nötigung im Straßenverkehr interpretiert werden. Ob 25 Stockschläge der Tat angemessen sind, ist allerdings Ansichtssache.

Im Text fallen auch noch andere Merkwürdigkeiten auf. So erzählte Hüther niemandem, was eigentlich passierte: "Er gab ihnen auf die Frage, was er droben zu tun gehabt habe, keine Antwort." Die Geschichte allerdings berichtet genau den Hergang auf dem Carlsberg, auch die Gedanken Hüthers: "Heinrich kam blitzschnell der Gedanke: Dem werde ich's zeigen, was meine Pferde können."

Nebenbei ist auch das Ziel der Reise nicht eindeutig. Da die Bauern auf eine Grube wollten, war das Ziel möglicherweise Bexbach. Der Weg nach Bexbach führt aber nicht am Carlsberg vorbei und somit konnte man Hüther wohl kaum vom Schloß kommen sehen.


Jagd

Herzog Karl August war ein gefürchteter Tyrann. Seine Jagd erstreckte sich bis ins "Geringelte", das damals noch Staatswald war. Oberhalb des Katzenfelsens ging der Jagdpfad, Reitpfad genannt, den Langwieserberg entlang, zum Auerbacherbusch. Der Herzog ließ große Waldteile einzäunen und hegte darin seine Edelhirsche. An der Breitwiese hatte er eine Drehtüre anbringen lassen, die sich nach dem Durchgehen immer wieder schloß. Der Wald unterhalb des Edelsmannbergs heißt heute noch Törchen.
In der Allseiters, nahe dem Stockbornerhof, war die Wildbretscheuer. Der Name ist heute noch erhalten. In dieser Scheune wurde das Heu aufbewahrt, mit dem im Winter die Hirsche oder die Rehe gefüttert wurden. Ein Reifenberger namens Haas war der Wildbretschütz. Er hatte nur das Wild zu füttern, durfte aber nicht auf die Jagd gehen. Der Waldbestand war groß, es gab daher sehr viel Wild, besonders Hirsche. Der Wildschaden war begreiflicherweise sehr groß. Den Bauern war aber unter härtester Strafe verboten, das Wild zu jagen.
Ein Reifenberger, Josef Hahn, schlich sich einmal in der Brunftzeit an ein großes Rudel Hirsche heran und warf plötzlich seine Mütze hinter sie. Die Tiere erschraken und rannten in rasendem Tempo in einen Steinbruch, unweit der Trift. Viele Hirsche blieben mit Knochenbrüchen liegen und verendeten. Das ganze Dorf war in Aufregung. Der Herzog durfte nichts erfahren, denn ihm galt das Leben eines Hirsches mehr als ein Menschenleben. Die Bauern beschlossen daher, die Hirsche zu begraben und gelobten, nichts zu verraten.

Quelle: Webseite des Heimat und Verkehrsvereins Reifenberg

 

Die Geschicht dürfte zum größten Teil wahr sein. Fast das Ganze Herzogtum war mit Wildzäunen umgeben, die jedoch noch großteils von Christian IV. waren. Das Jagdrecht lag beim Herzog. Wilderei war damals wie heute eine Straftat. Die Aussage "ihm galt das Leben eines Hirsches mehr als ein Menschenleben" darf aber mehr unter dem Aspekt der bäuerlichen Übertreibung zu sehen sein.
Da der Bauer die Hirsche des Herzogs getötet hatte, befürchtete er seine "gerechte Strafe" und deshalb sollte die Tat verheimlicht werden. In wieweit das glückte, ist fraglich, da der zuständige Wildhüter seine Tiere kannte und ihm das Verschwinden mehrerer Hirsche sicher auffiel.


Die Flucht des Herzogs

Die französische Revolution befreite das kleine Land endlich von seinem Unterdrücker. Beim Einrücken der ersten Revolutionssoldaten konnte der Herzog gerade noch in seinen angespannten Wagen springen, der von seinem Leibkutscher Löschborn gefahren wurde. Der Herzog warf sich auf den Boden des Wagens, so daß die Kugeln, die die Franzosen ihm nachschossen, durch das Verdeck gingen oder in der Holzkarosserie stecken blieben. Seinem Kutscher soll er immer wieder zugerufen haben:
"Löschborn fahr zu, fahr zu".
Die Bevölkerung atmete auf, als der Herzog über den Rhein entflohen war und ging daran, den Karlsberg zu plündern. Auch ein Reifenberger Schmied namens Marhöfer war dabei. Er kam jedoch zu spät, denn die Bewohner der umliegenden Orte waren schneller und hatten schon alles, was nicht niet- und nagelfest war, weggefahren. Er riß nur ein paar Türbänder und einen Riegel von den Türen und ging wieder heim. Seine Haustüre versah er mit diesen Beschlägen; bis vor einigen Jahren war diese Tür im Anwesen von Simon Karl in Gebrauch. 

Quelle: Webseite des Heimat und Verkehrsvereins Reifenberg

 

Bei dieser Geschichte merkt man, wie sich Legenden und Tatsachen im Laufe der Zeit vermischen. Die Flucht des Herzogs war zwar knapp vor dem Einrücken der französischen Truppen, doch der Vorsprung betrug etwa 1-2 Km und nicht 100-200 m (Reichweite der Waffen), wie hier dargestellt. Außerdem handelte es sich um eine Kavallerieeinheit Landremonts, die auf dem Schloß einrückte, vor der man nicht mit einer Kutsche fliehen konnte.
Inwieweit die Bevölkerung über die Flucht ihres Souveräns aufatmete, ist nicht so einfach nachvollziehbar, da die Einstellung der Menschen zum Herzog gespalten war.

Daß die Bevölkerung daran ging, das Schloß zu plündern ist falsch. Die Franzosen versiegelten erstmals das Schloß und stellten die darin befindlichen Schätze sicher. Wenige Wochen später war das Schloß wieder in preußischer Hand und die herzoglichen Bediensteten begannen die Einrichtung regulär zu evakuieren. Erst fünf Monate nach der Flucht des Herzogs und nicht direkt danach wurden die verbliebenen Reste der Einrichtung von französischen Soldaten geplündert und das Schloß angezündet. Die Bauern durfen nur noch die Ruinen plündern.