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Plan über die auf dem Erbacher Bann gelegene Herrschafftliche Fasannery Haelt zusammen 76 Morgen. 1777 Steinmez

 

Das Konvolut verfügt gleich über zwei Pläne der Herrschaftlichen Fasanerie, die mal als Erbacher Fasanerie, mal als Homburger Fasanerie bezeichnet wird. Grund dafür ist die Lage auf dem Erbacher Bann, aber unmittelbar vor den (barocken) Toren der Stadt Homburg, so dass es letztlich von der Benennung her quasi auf die regionale Sicht der Dinge ankam.

 

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Die Lage lässt sich sehr präzise wiedergeben13. Hilfreich ist dabei die Lage des bereits mehrfach erwähnten „Schwarzen Weges“, der in geradem Verlauf von Sanddorf aus die Fasanerie erschließt, und dann letztlich auf die Landstraße stößt, die Homburg mit Erbach verbindet. Bereits 1782 erscheint diese Direktverbindung in der „General-Carte über das Ober-Amt Homburg“ von Schäfer14. Man erkennt sehr gut die als Allee ausgebildete Landstraße Homburg-Erbach, von der nach etwas weniger als halber Wegstrecke eine weitere kleine Allee abzweigt, die als Weg bis nach Sanddorf bzw. wie vorliegend bis an den Fuß des Carlsberges führt. Die Beschriftung „Fasanerie“ verdeutlicht den Sachverhalt unmissverständlich. Da der schwarze Weg noch in seiner östlichen Hälfte völlig erhalten ist, ermöglicht der Blick in die aktuellen Kartenwerke die Präzisierung. Demnach ist fast das gesamte Fasaneriegelände (mit Ausnahme eines kleinen Bereiches in der Gemarkung „Erlenwiesen“) in Industrie- und Bahnanlagen des 19. und 20 Jahrhunderts untergegangen. Die Zufahrt befände sich unmittelbar nach dem Überqueren der Bahnüberführung auf Erbacher Seite in Höhe des Einkaufszentrums in östliche Richtung.

 

P. Schäfer: „General-Carte über das Ober-Amt Homburg“, 1782. Ausschnitt.

 P. Schäfer: „General-Carte über das Ober-Amt Homburg“, 1782. Ausschnitt., Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein, GA 100 Nr. 923

 


Über die Grundstruktur der Fasanerie herrschte in der Forschung bisweilen Einigkeit, vor allem wegen der bislang bekannten Darstellungen, z.B. bei Fritsch 1774 oder Herdegen 1791. Er, wie auch andere, stellten die Fasanerie als quadratische Anlage dar, die durch ein Wegekreuz in vier gleiche Kompartimente unterteilt war. In den zur Erbacher Landstraße ausgerichteten Quadraten befanden sich bauliche Anlagen. Bildnerische Darstellungen, wie die verschiedenen Plans Perspectives des Carlsbergs zeigten zudem eine Ummauerung der Anlage.

 

Fritsch Oberämter Homburg und Zweibrücken 1774

Fritsch Oberamt Homburg und Zweibrücken 1776


Die quadratische Grundform ist allerdings nun in Frage zu stellen. Schon auf der Landvermessung der Jahre 1804 und 1805, die sich in zwei Plänen erhalten hat (Landesarchiv Speyer, Plansammlung), zeigt sich das Gelände in anderer Form. Da die Ostpartie nicht gerade ist, sondern bogenförmig, lag bislang die Vermutung vor, dass sich hier seit der Zerstörung der mutmaßlich quadratischen Anlage einiges an Grenzveränderungen getan hat, weshalb diese Pläne auch nie zur Veröffentlichung herangezogen wurden. Dieser Umstand hat sich allerdings seit Bekanntheit der Fasaneriepläne von 1777 und 1784, die beide die identische Grundfiguration wie die Pläne von 1804 und 1805 aufweisen, geändert.

Die Fasanerie besaß folglich keine quadratische Grundform. Die entsprechende Darstellung rührt wohl daher, dass sich die Grundform einem Quadrat nähert und in großmaßstäblichen Plänen eher einfach als Quadrat dargestellt werden konnte. 

Der 1777er Plan präsentiert hinter dem zentralen Gebäude ein Parkareal, das durch ein zentrales Wegekreuz in vier Kompartimente aufgeteilt ist. Von Westen zeigt sich als Haupterschließung die als Allee ausgebildete Auffahrt, die sich vor dem schlossähnlich situierten Hauptgebäude zum halbkreisförmigen Vorplatz öffnet. Bei dem rechteckigen Gebäude handelte sich denn wohl auch um das Schlösschen der Herzogin Maria Amalia, das im Plan von Herdegen 1791 als „Amalienlust“ bezeichnet wird15.

 

BILD - aus rechtlchen Gründe nicht veröffentlicht

Unbekannter Zeichner: Lageplan der Fasanerie, 1804 (Ausschnitt). Landesarchiv Speyer, Plansammlung
 

 

Der beigefügte Maßstab ermöglicht auch die Berechnung der Gebäudegröße von rund 23,50 m Länge und rund 13,70 m Breite. Die westlichen Kompartimente (beiderseits der Auffahrt) werden als „Ackerland“ genutzt. Hierin sind zwei unterschiedlich große Flächen abgegrenzt, die als „Remiß“ bezeichnet werden, was in diesem Falle sicherlich nicht als Wagenschuppen zu verstehen ist, sondern im Jägerjargon als Gesträuch bzw. dichtes Gestrüpp . Beide Parzellen erscheinen auch in den Plänen von 1804 und 1805.
Hinter dem Schlösschen eröffnet sich eine weitläufige Parklandschaft. Das Wegekreuz der bislang als Quadrat vermuteten Anlage ist als solches zu erkennen. Interessant ist die aufwändige Gestaltung der Achsen. Die Nord-Süd-Achse ist ein beiderseits von Wegen begleiteter künstlich angelegter Kanal, der
sich im Knotenpunkt des Achsenkreuzes zu einem runden Bassin aufweitet. Gespeist wird der Kanal durch den Erbach, der im Bogen um das Gelände im Osten führt und gleichzeitig die Banngrenze zwischen Erbach und Homburg markiert. Hier schlossen sich östlich die Ländereien des Freiherren von Closen an. Der Bogen des Erbachs findet sich denn auch in dem zu oberst besprochenen geometrischen Plan über den Louisenhof aus dem Jahre 1768.
 
In der West-Ost-Achse wiederholt sich die Gliederung, allerdings bildet hier anstelle eines Kanales ein Rasenstreifen das Zentrum. Hinter dem Schlösschen befindet sich ein querrechteckig konzipiertes Rasenparterre, dessen Einzelflächen unterschiedlich lang, dafür aber gleich breit sind. Die Parterres werden zur Westseite sowie in den Bereichen beiderseits der zentralen Achse durch drei, an den übrigen Seiten durch zwei Baumreihen flankiert. Am östlichen Rand des Südparterres befindet sich ein
langgezogenes Nebengebäude von 41 m Länge und 8,20 m Breite, im südlichen Fasanenwald ein quadratischer Pavillon von ca. 5,50 m Seitenlänge, sowie weiter östlich in der Nähe des Kanals ein weiterer quadratischer Pavillon gleichen Ausmaßes. Das aufgrund seiner Symbolik wohl als Wald genutzte Parkgelände wird weiterhin durch ein Netz von rechtwinklig verlaufenden Wegen mehr oder weniger exakt in weitere Abschnitte unterteilt.
 
Die Anlage präsentiert sich auf diesem Plan als recht aufwändig und elegant und bildete einen durchaus adäquaten Aufenthalt für eine Herzogin, die hier seit 1776, dem Zeitpunkt der Verlagerung der herzoglichen Hofhaltung nach Jägersburg ihren Landsitz gehabt haben dürfte. Der Zeitpunkt der Zeichnung dokumentiert den Bestand im Jahre 1777 und kann durchaus vor dem Hintergrund von geplanten baulichen Veränderungen entstanden sein, die sich ab 1777 anhand von Baurechnungen
belegen lassen.

 


 

Homburger Fassanerie - Aufgenommen durch CI und gezeichnet  von M.J. Tochtermann ao 1784

 

Einen gänzlich anderen Eindruck vermittelt der Plan der Fasanerie sieben Jahre später. Dass es sich um einen Bestandsplan handelt, vermerkt der Autor am linken Bildrand, nach dem das Gelände „aufgenommen“ wurde.

 

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Der Kanal ist verschwunden. Zudem sind Brunnendeicheln, die als Wasserleitung dienten, im Dezember 1777 durch Wasserbaumeister Philipp Beyer ausgebaut und auf den Carlsberg transferiert wurden16. Ebenfalls verschwunden ist der zentrale Rasenstreifen in West-Ost-Richtung. Dafür ist der Weg im Osten geöffnet und führt nun über die ehemaligen Closen-Grundstücke in Richtung Sanddorf bzw. dem Carlsberg. Der Weg zeigt sich bereits 1782 bei Schäfer und taucht ebenfalls in den Plänen von 1804 und 1805 auf. Die beiden kleinen Pavillons im Waldpark sind verschwunden, genauso wie die beiden Rasenparterres nebst deren aufwändiger Umpflanzung.

Dafür haben sich bauliche Veränderungen ergeben. Das Hauptgebäude wurde um ca. 5,00 m auf ca. 28,20 m verlängert und verfügt nun auf allen vier Seiten über halbrunde Treppen zu den jeweiligen Eingängen. Die Eingänge der Schmalseiten sind dabei auf der westlichen Hälfte situiert.
Nördlich des Schlosses befindet sich ein umschlossenes Areal auf leicht verzogenem rechteckigem Grundriss. Die Anbindung ans Schloss erfolgt dabei über einen Weg. Wichtig ist bei der Betrachtung der Zeichnung die Darstellung der Schattenwürfe an Gebäuden und Bäumen. So lässt sich erkennen, dass die Umfriedung des Geländes aus einer Mauer bestand, die bis ans Schloss angebunden war. Die Mauer führte dabei vom Schloss zu einem quadratischen Pavillon, der dieses umschlossene Gelände erschließt. Diese Mauer ist auf verschiedenen perspektivischen Darstellungen von Schloss Carlsberg und der Fasanerie zu sehen, wurde aber bislang immer mit der großen Umschließung der vermeintlich quadratischen Fasanerieanlage in Verbindung gebracht17.
 
Die Art der Parzellierung im Inneren deutet auf die Anlage von Beeten. Den (wenn auch nicht geometrischen) Mittelpunkt bildet ein großer Pavillon auf quadratischem Grundriss, der von Treillagen umgeben ist. Der Schattenwurf übersteigt sogar denjenigen des doppelgeschossigen Schlosses, was auf einen beachtlichen Pavillon schließen lässt. In der östlichen Mauer deuten zwei Pfosten auf die Existenz eines Tores, das den hier vorhandenen Weg eröffnet.
Bei dem Pavillon handelt es sich wohl um das Gebäude, das mehrfach im „Verzeichnis des durch die Franken an der Fasanerie bei Homburg verursachten Schadens18 benannt wird. Den einzelnen Gewerken ist zu entnehmen, dass der Pavillon mit einem Bassin und Grottenwerk sowie hölzernen Laubengängen (Treillagen) ausgestattet war. Das Dach war mit Schiefer eingedeckt. Der aufwändigen Anlage zur Folge können wir für diesen Abschnitt auch eine entsprechend kostbare Bepflanzung annehmen, die ebenfalls im Schadensverzeichnis aufgelistet wird.
 
Südlich des Schlosses befindet sich eine weitere umschlossene Freifläche auf ebenfalls leicht rautenförmig verzogenen viereckigen Grundriss. Die Umfriedung erfolgte mit einem Stakketenzaun, der ebenfalls mehrfach im Schadenverzeichnis benannt wird. Neben einer Vielzahl von Beeten findet sich ebenfalls eine runde bauliche Anlagen mit umgebenden Treillagen auf quadratischem Grundriss, wobei es sich wohl um das mehrfach benannte „Caroussel“ der Herzogin handeln dürfte.
 
Das schon 1777 vorhandene Nebengebäude an der Ostseite des damaligen Südparterres ist nach wie vor vorhanden, allerdings durch einen nach Osten führenden Seitenflügel ergänzt. Hierin befanden sich Stallungen19 und vermutlich auch die im Schadensverzeichnis benannte Remise. Der Anbau mit seinem ummauerten Hof diente wohl dem Fasanenwärter als Arbeitsstätte. An der Nordseite des ehemaligen Parterres befindet sich ein weiteres Nebengebäude. Hierin befanden sich vermutlich die im Schadensverzeichnis mehrfach erwähnten Wohnungen des Gärtners und des Kutschers.
Besonders auffallend ist an der Südgrenze der Fasanerie die Eintragung „Thier-Garten Zaun“, was auf den großen Wildzaun hindeutet, der schon unter Herzog Christian IV. angelegt und unter Herzog Carl II. August erweitert worden ist.
 
Weitere bauliche Anlagen sind dem Plan nicht zu entnehmen. Allerdings sind sie durch schriftliche Quellen dokumentiert. So befand sich im Fasanenwald ein  „Holz Stoss von 4 Klafter Holz, so innwendig zu einem Garten Cabinet eingerichtet,…“, also ein kleiner Gartenpavillon in Form eines Holzlagers, was in Parkanlagen jener Zeit oft als „Folie“ in Erscheinung tritt. Das Schadensverzeichnis nennt auch eine sehr kostspielig wieder herzustellende „Englische Partie“, die mit den Anlagen im Fasanenwald nicht zusammengeführt werden können. Es handelt sich vielleicht eher um die Anlagen, die auf den Wiesen des Heydenbruches gestaltet wurden. Der Plan von 1784 benennt diese Bereiche als „Wiesen-Thal“. Diesen Englischen Anlagen war auch ein Treibhaus zugeordnet.
Ebenfalls nicht im Bereich des Fasanenwaldes anzusiedeln wäre ein kleiner Weiher nebst Brücke sowie eine Kegelbahn.
 
Als Fazit lässt sich festhalten, dass in den Jahren 1777 bis 1784 die Fasanerie eine grundlegende Veränderung erfahren hat und die 1760 entstandene Kernanlage nach Osten erweitert wurde. Nach 1784 wurden ebenfalls Änderungen vorgenommen. Augenfällig wird dies beim Hauptgebäude, das im Jahre 1791 mit beidseitigen Anbauten versehen ist20, und das Gebäude somit um 2/3 seiner bisherigen Länge vergrößerte, also in etwa auf 47 bis 50 m.

Weitere Teile


 

Anmerkungen

 

13. Im Gegensatz dazu Weber und Schwan, die lediglich
    äußerst vage bzw. nicht bindende Aussagen über die
    Lage treffen, z.B. Schwan, in: „…die Mutter Erde
    schmüket“, 2010, S. 72 und 81 (Anm. 15).
14. Hohenlohe Zentralarchiv, Schloß Neuenstein, Karten-
    sammlung Nr. 923. Bereits publiziert in Gartenkunst
    Heft 2/1999, Seite 348.

    Anmerkung: Nachdruck der Karte Patrik Schunk 1990

15. Bayerische Staatsbibliothek München, Mappe XI, 245 I
16. LA Speyer, Best. B3, Nr. 2570.
17. So auch Schwan in „…die Mutter Erde schmüket“ S. 75
    ohne Quellenangaben oder sonstige Belegführung.
18. LA Speyer Bestand B2 Nr. 2648
19. Sie werden in einer Rechnung vom Juni 1781 erwähnt.
    LA Speyer, Bestand B3, Nr. 2580
20. Dargestellt in der sehr präzisen Federzeichnung von F.
    und W. Lüder aus dem Jahre 1791. Abgebildet in
    Gartenkunst, Heft 2/1999 S. 362.