Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Beitragsseiten

 

Karte über den Eichwald in Jägersburg Gezeichnet von H.I. Tochtermann, um 1782

 

Die Karte ist nicht betitelt und datiert. Dennoch ist eine Datierung um 1782 anzunehmen. Der Hauptgrund ist (nicht mehr!) auf der Karte zu finden. Und zwar handelt es sich um die nach 1779 und vor 1781 von Jägersburg nach dem Carlsberg translozierten Hundezwinger, deren Wiederaufbau für die Jahre 1780 und 1781 belegt ist6. Sie befanden sich im Bereich der Gebäudegruppe am rechten Bildrand hinter dem lang gestreckten Flügel, der als „Piquer Stall“ diente. Das seitlich gelegene und etwas zurückgesetzte Gebäude fungierte als Jägerhaus7. Das Gelände des Zwingers ist noch als Parzellierung in Form einer rechteckigen Fläche ablesbar.
Diese Aussagen lassen sich an dieser Stelle daher so einfach treffen, da nämlich in selbigem Konvolut der Bestandsplan des Jägersburger Hundezwingers aus dem Jahre 1779 erhalten ist, auf den nachfolgend eingegangen wird.

 

Eingebundene externe Seite, der Bayrischen Staatsbibliothek http://bildsuche.digitale-sammlungen.de/index.html?c=viewer&bandnummer=bsb00053415&pimage=00034&lv=1&l=de

Sollte das Bild nicht angezeigt werden, so wird von der Bayrischen Nationalbibliothek die Anzeige der Webseite über <iFrame> in anderen Webseiten unterbunden.

Die Seite kann jedoch über den angegebenen Link angezeigt werden.

 

Interessant sind einige Details in der Karte, die bislang noch nirgends zu finden waren. So war das Umfeld des Schlosses, das hier als „kleiner Thiergarten“ bezeichnet wird, entlang der „Chaussée von Erbach“ umzäunt. Zwei kleine Gebäude (eines in unmittelbarer Nähe zum Schloss, das andere am Beginn des Eichwaldes) dienten wohl als Torhäuser. Die angedeutete Baumbepflanzung im Innenhof des Schlosses erinnert an die Konzeption von Johann Ludwig Petri, die zu diesem Zeitpunkt wohl noch erhalten war, was letztlich auch darauf hindeutet, dass das Schloss noch seinem eigentlichen Zweck diente. Auf dem zuvor gezeigten geometrischen Plan von 1792 sind diese Elemente nicht mehr zu sehen.

Der Eichwald selbst bildete eine relativ exakte rechteckige Fläche, die entlang des Tiergartens (Westen) von der (neuen) Chaussée Erbach-Jägersburg, am östlichen Rand von der alten Chaussée Erbach-Jägersburg und im Norden von der Erbacher Chaussée begrenzt wurde. Nach Süden schloss sich eine Gemarkung mit dem Namen „Das Laager“ an. Je eine Wegeachse durchteilte das Areal kreuzförmig und bildete recht exakt im Zentrum einen kreisförmig aufgeweiteten Kreuzungspunkt aus. Hier befand sich in einem kleinen Abschnitt eine „Söhl“, wohl vermutlich eine Suhle.
An der Straße zum Eichelscheider Hof, der „Eichelscheider Chaussée“ befand sich unmittelbar hinter den Nebengebäuden des Schlosses ein umzäunter „Lerchengarten“. Nicht weit entfernt befand sich (am Längsmittelweg) ein als „Hundsschwem“ bezeichnetes rundes Bassin, dem unmittelbar ein „Schlagbaum“ folgte. Dieser fand im übrigen an seinem südlichen Ende ein Pendant. Weiter unterhalb der Hundeschwemme befand sich eine „Schüßmauer“, die dem Geländeabschnitt den Namen gab8. Ein Kiefernwald wird explizit bezeichnet.
Entlang der „alten Erbacher Straße“, deren vorbarocker Verlauf hier erstmals zumindest teilweise bekannt wird, befand sich ein weiterer Zwinger. Schließlich zeigt sich eine ebenfalls bislang nicht bekannte Wegeverbindung von Jägersburg zum Carlsberg, der „CarlsbergerWeeg“, der unmittelbar vor dem Torhaus der Schlossumzäunung auf die Jägersburger Chaussée mündete.

Die Funktion des Eichwaldes als Jagdwald wird nicht nur anhand der vielen baulichen Elemente deutlich, sondern auch durch die Bezeichnung der einzelnen, durch Wege gegliederte, „Kompartimente“, wie: „Iagen an der Heuscheuer“, „Zweites Iagen unter unter den Paracken“ oder „Großes Iagen“. Er bildete wohl den ursprünglichen Kern der weitläufigen Jagdwälder, die sich in ihrer Gesamtheit bis kurz vor Bruchmühlbach-Miesau und Eichelscheid ausdehnten.

Additional information